Zwischen freiem Willen und wohltätigem Zwang – Was tun bei Ablehnung notwendiger Hilfe?

Das 2010 gegründete Netzwerk Sozialpsychiatrischer Dienste in Deutschland unterhält vier regionale Netzwerke, um den interdisziplinären, länder- und trägerübergreifenden Erfahrungs- und Meinungsaustausch zu fördern. Im norddeutschen Netzwerk werden regelmäßig Workshops mit Fortbildungscharakter veranstaltet, an denen Kolleginnen und Kollegen aus Schleswig-Holstein und Hamburg, Bremen und Niedersachsen teilnehmen.

Für das zehnte Netzwerktreffen Nord in Hamburg haben wir ein Thema ausgewählt, mit dem wir häufig konfrontiert werden und das uns in unserem Selbstverständnis immer wieder in besonderer Weise herausfordert: Was dürfen, sollen und können wir tun, wenn Menschen, die nach unserer Einschätzung unbedingt und oft auch dringlich eine Not wendende Hilfe von außen brauchen, diese aber entschieden ablehnen?

Die mit dieser Frage verbundenen Vorstellungen vom „freien Willen“ und „wohltätigen Zwang“ bleiben oft unhinterfragt und bieten Anlass zu Kontroversen. Was ist eigentlich der freie Wille eines Menschen, unter welchen Bedingungen ist er eingeschränkt oder aufgehoben, und wie lässt sich das feststellen? Was ist denn ein wohltätiger Zwang, unter welchen Umständen lässt er sich rechtfertigen, und was bedeutet er für diejenigen, die ihn erleiden oder ausüben?

Wir wollen die skizzierten Fragestellungen zunächst durch fachliche Impulsbeiträge aus rechtlicher, ethischer und praktischer Perspektive beleuchten und dann in parallelen Workshops diskutierend vertiefen. Dabei geht es einerseits um eine genaue Beschreibung der Problematik und andererseits um eine Verständigung über geeignete Lösungswege im Arbeitsalltag. Wir haben Vertretungen der Betroffenen, Angehörigen und professionellen Helfer eingeladen, im Rahmen einer trialogischen Tagungsbeobachtung unsere Diskussionen zu begleiten und diese am Ende des Workshops zu kommentieren.

Wir freuen uns, wenn auch Sie dabei sind, um Ihre Erfahrungen und Fragen, Ihre Überzeugungen und Zweifel mit einzubringen.

Veranstaltungsflyer >>

 

Programm

09:30 Uhr | Ankunft

10:00 Uhr | Begrüßung und Infos aus dem Netzwerk

10:15 Uhr | Was dürfen wir tun? Rechtliche Vorgaben
Ulrich Engelfried, Betreuungs- und Familienrichter am Amtsgericht Hamburg Barmbek

10:45 Uhr | Was sollen wir tun? Ethische Anforderungen
Dr. Katharina Woellert, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE), Institut für Geschichte und Ethik der Medizin

11:15 Uhr | Was können wir tun? Fachliche Ressourcen
Dr. Klaus Petzold, Sozialpsychiatrischer Dienst, Landkreis Ostholstein

11:45 Uhr | Kaffeepause

12:00 Uhr | Workshops 1. Phase (Problembeschreibung)

13:00 Uhr | Mittagspause

14:00 Uhr | Fortsetzung der Workshops, 2. Phase (Lösungswege)

15:00 Uhr | Kaffeepause

15:15 Uhr | Tagungsbeobachter im Gespräch
Jurand Daszkowski, Bundesverband Psychiatrie-Erfahrener e. V.
Dr. Hans Jochim Meyer, Angehörige psychisch erkrankter Menschen, Landesverband Hamburg e. V.
Helge Thoelen, HGSP e. V.

16:00 Uhr | Zwischenbilanz und Ausblick nach zehn Regionaltreffen im Netzwerk

16:30 Uhr | Ende der Veranstaltung

WS1
Was dürfen wir tun? Rechtliche Vorgaben mit Ulrich Engelfried
Moderation: Dr. Peter Schlegel, Sozialpsychiatrischer Dienst Landkreis Harburg

WS2
Was sollen wir tun? Ethische Anforderungen mit Dr. Katharina Woellert
Moderation: Oliver Schaper, Psychiatrische Beratungsstelle und Tagesklinik West, Klinikum Bremen Ost

WS3
Was können wir tun? Fachliche Ressourcen mit Dr. Klaus Petzold
Moderation: Sven Drotbohm, Sozialpsychiatrischer Dienst, Landkreis Ostholstein