XXVII. Niedersächsische Suchtkonferenz

Sicherheit finden – Sucht als Bewältigungsstrategie erlebter Traumata

Mindestens die Hälfte aller suchtmittelabhängigen Menschen hat im Laufe ihres Lebens Traumatisierungen unterschiedlichster Art erlebt. Auslöser sind häufig Gewalterfahrungen, Vernachlässigung, Fluchterfahrungen. Sind Menschen suchtmittelabhängig, erleben sie häufig weitere Traumatisierungen. Die Wechselwirkungen von Traumata und Sucht werden im Hilfesystem noch nicht systematisch berücksichtigt, dies zeigt sich beispielsweise auch daran, dass Suchthilfe und psychiatrische Hilfen nicht flächendeckend aufeinander abgestimmt sind. Der Konsum von Suchtmitteln ist häufig der Versuch, mit erlebten Traumata umzugehen, Traumafolgeschäden abzuwehren. Zu den am häufigsten verwendeten Substanzen gehören in diesem Zusammenhang Nikotin, Alkohol, Marihuana, Kokain, Amphetamine, Opiate und Medikamente.

Bei der Behandlung von Patient*innen mit Traumatisierung und Suchtmittelabhängigkeit bedarf es spezieller Verfahren zur Suchtbehandlung. Patient*innen mit Traumatisierung und Suchtmittelabhängigkeit leiden häufiger an weiteren affektiven Störungen, brechen die Therapie häufiger ab oder erleiden häufiger Rückfälle als nichttraumatisierte suchtkranke Patient*innen. Bei der Behandlung von Suchterkrankungen sind zwingend erlebte Traumatisierungen in den Blick zu nehmen. Das in dieser Veranstaltung vorgestellte ressourcenorientierte Therapiemanual „Sicherheit finden“ setzt an diesem Punkt an und behandelt Traumatisierung und Sucht zusammen. 

Insbesondere die Versorgung von vulnerablen Personengruppen, wie zum Beispiel Kinder in suchtbelasteten Familien und traumatisierte Flüchtlinge, stellt eine besondere Herausforderung dar. Erleben Menschen in jungen Jahren Traumatisierungen bleiben häufig gravierende Traumafolgeschäden bestehen. Kinder und Jugendliche suchtkranker Eltern erleben tagtäglich die Suchterkrankung der Eltern und die damit einhergehenden Belastungen. Ebenso hat ein Großteil der Menschen, die aus anderen Ländern zu uns kommen auf der Flucht oder im Herkunftsland Traumatisierungen erlebt. Hier bedarf es aufgrund von möglichen kulturellen, religiösen oder sprachlichen Barrieren einer kultursensiblen Suchtberatung und Traumabehandlung. Nicht zuletzt sind auch genderspezifische Aspekte bei der Prävention und Behandlung von Sucht und Traumata zu berücksichtigen.

Die XXVII. Niedersächsische Suchtkonferenz möchte für die Wechselwirkungen von Traumata und Sucht sensibilisieren und neue Perspektiven auf die Prävention und Behandlung von Traumata und Sucht aufzeigen.
Zielgruppe der Tagung sind u.a. Suchtmediziner*innen, Psychotherapeut*innen, Mitarbeitende aus Suchtberatungs- und Suchthilfestellen sowie aus der psychiatrischen Versorgung.

Veranstaltungsflyer >>

Programm

09:30 Uhr | Anmeldung und Begrüßungskaffee

10:00 Uhr | Begrüßung
Bärbel Lörcher-Straßburg, Niedersächsisches Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung

10:10 Uhr | Die Bedeutung von Traumatisierungen für die Entwicklung und den Verlauf von Suchterkrankungen
Dr. med. Michael Hase, EMDRIA Deutschland e. V. und Lüneburger Zentrum für Stressmedizin  

10:50 Uhr | Zusammenhänge zwischen Gewalt und Suchtentwicklung
PD Dr. Ingo Schäfer, Zentrum für Interdisziplinäre Suchtforschung der Universität Hamburg

11:30 Uhr | Kaffeepause

11:50 Uhr | Kultursensible Suchtberatung bei geflüchteten Klient*innen mit Traumafolgestörungen
Dipl.-Psych. Franka Metzner, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf

12:30 Uhr | Mittagspause

13:30 Uhr | Gender – Sucht – Trauma
Zusammenhänge und Implikationen für die Praxis
Sybille Teunißen, Praxis für Psychotherapie und Supervision, Wuppertal I Vortrag

14:00 Uhr | Statement
Cornelia Rundt, Niedersächsische Ministerin für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung

14:20 Uhr | Kinder in suchtbelasteten Familien
Jessika Kuehn-Velten, Ärztliche KinderschutzAmbulanz am Evangelischen Krankenhaus Düsseldorf

15:00 Uhr | Kaffeepause

15:15 Uhr | Praxisbeispiel „Sicherheit Finden – ein Therapieprogramm für traumatisierte Suchtpatient*innen“
Dr. Wibke Voigt, Fachklinik Kamillushaus, Essen I Vortrag

16:00 Uhr | Abschließende Diskussion mit dem Publikum

16:30 Uhr | Ende der Veranstaltung

Moderation
Thomas Altgeld, Landesvereinigung für Gesundheit und Akademie für Sozialmedizin Niedersachsen e. V.